100 Jahre Evangelischer Kirchenchor Schatthausen


Festgottesdienst – Ehrungen – Rückblick

von Paul Körner
Bereits im Jahre 2020 wurde der Evangelische Kirchenchor in Schatthausen 100 Jahre alt. Ein großes Fest sollte schon im vergangenen Jahr zum runden Jubiläum gefeiert werden. Es war alles geplant, vorbereitet und terminiert, bis die Corona-Pandemie dem Vorhaben einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machte. Ein termingerechtes Feiern war nicht möglich, und die Feier mit Festgottesdienst mußte in das Jahr 2021 verlegt werden. Der Festgottesdienst fand nun am 12. September im Pfarrhof neben der Kirche stattfand, weil Corona immer noch keinen Gottesdienst in der Kirche zuließ. Alle Plätze waren belegt bei der Feier unter freiem Himmel und auch das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Pfarrerin Angelika Haffner gestaltete den würdigen Gottesdienst mit Texten und einer passenden Liederauswahl. Ihre Predigt stand ganz im Zeichen der Musik in Anlehnung an den Text eines neueren Kirchenliedes: „Ich sing Dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben“. Der Gesang, dieses von Gott gegebene Geschenk, ausgedrückt in Melodie und Klang, begleitet von Rhythmus und Takt, haben die Sängerinnen und Sänger des Chores 100 Jahre zu freudigen oder traurigen Anlässen an die Mitmenschen weitergegeben, aber auch um ihren Herrn zu loben und zu preisen, getreu dem Grundsatz „Gott zu loben ist unser Amt“. Diese Lobpreisung werden allerdings die Chormitglieder künftig in der bisherigen Form nicht mehr vollziehen können. So lag schon beim „chorlosen Gottesdienst“ ein gewaltiges Stück Wehmut über dem Jubiläumsereignis. Zu gerne wäre man zum Ende der Chorära, die nun am 21. Juli vollzogen wurde, nochmals gemeinsam aufgetreten. Coronabedingt lag aber die Probenarbeit in den zurückliegenden Monaten brach, genau wie bei anderen Chören. Unter diesen Bedingungen schwanden die Zukunftsperspektiven noch mehr, sowohl im Bereich der Chorleitung als auch bei den Aktiven. Kein Chornachwuchs war in Sicht, denn immer mehr Menschen sind nicht mehr bereit, sich an eine Gemeinschaft zu binden und regelmäßige Verpflichtungen in der Freizeit einzugehen.

Ganz anders war die Ausgangslage im Jahre 1920, als der Chor ins Leben gerufen wurde. Der 1. Vorsitzende des Kirchengemeinderates Walter Funk ließ die Vergangenheit, teils auch überliefert, nochmals Revue passieren: Damals war die Zeit zum Teil ähnlich wie heute. Die Spanische Grippe, eine Influenza-Pandemie, forderte weltweit viele Millionen Menschenleben, auch der 1.Weltkrieg hatte noch zahlreiche Spuren hinterlassen. Eine verzweifelte Lage, bei der sich Menschen nach Nähe und Gemeinschaft sehnten, um gemeinsam Hoffnung und Zuversicht zu säen, mit der Freude am Singen auch gegenüber Gott. Hoffnungsvoll blickten damals auch die Frauen in die Zukunft. Waren im Gründungsprotokoll nur Männer zu finden, überwiegte bald der Frauenanteil. Damals hatten Frauen in Schatthausen keine Möglichkeit, sich in einem Verein zu betätigen. So entwickelte sich der Chor zu einem kulturellen Standbein im Dorfleben. Selbstverständlich mit dem Hauptaugenmerk auf das kirchliche Leben der evangelischen Kirchengemeinde gerichtet, mit musikalischer Umrahmung von Festgottesdiensten im Kirchenjahr und zu besonderen Anlässen wie Glockenweihe, Einweihung neuer Gebäude oder Einführung und Verabschiedung von Pfarrerinnen und Pfarrern. Die feierliche Umrahmung von Trauerfeiern war den Sängerinnen und Sängern immer ein besonderes Anliegen. Die Aktivitäten des Chore beschränkten sich jedoch nicht nur auf den reinen Chorgesang. Ein Höhepunkt des Jahres war die Winterfeier im evangelischen Gemeindehaus. Soziale Kompetenz des Chores war immer und überall zu finden unter dem Leitgedanken „Zusammenhalt und gute Gemeinschaft“, auch im geselligen Vereinsleben. So durfte Walter Funk zum Ende seines Rückblickes wörtlich feststellen: „Der Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde hat sich über Jahre hinweg durch das beispielhafte ehrenamtliche Engagement seiner Sängerinnen und Sänger, die nachhaltige Leistung seiner Mitglieder und den bewundernswerten persönlichen Einsatz der Männer und Frauen, die den Chor leiteten, in den letzten 100 Jahren um das kirchliche Leben verdient gemacht und es bereichert. Ich spreche allen anwesenden und nicht anwesenden Sängerinnen und Sängern für ihren Einsatz den aufrichtigen Dank und die Anerkennung des Kirchengemeinderates und der ganzen Kirchengemeinde aus. Der Chor, der uns künftig allen sehr fehlen wird, kann auf seine über Jahre hinweg erbrachten Leistungen zurecht stolz sein“.

Danach überreichte Walter Funk die Glückwunsch-Urkunde des Landesverbandes der Evangelischen Kirchenchöre Baden an die Chorobfrau Tamara Dittrich, die im Anschluß die persönliche Ehrung von verdienstvollen Chormitgliedern, zusammen mit Pfarrerin Angelika Haffner vornahm. Lob für den langjährigen Einsatz der Jubilare und Dankesworte mit Urkundenübergabe begleiteten die Ehrungen. Für Ruth Hartmann gab es sogar die goldene Ehrennadel für 50 Jahre Singen im Chor. Auf 40 Jahre brachten es Inge Freund, Fritz Sandritter und Manfred Greiner. Letzterer war daneben noch langjähriger Chorleiter und das bis zur letzten Chorprobe in der Vereinsgeschichte. Weitere Ehrungen gingen an Ursula Sandritter (30 Jahre Mitglied, davon außerdem 21 Jahre Chorobfrau), Barbara Klafs (25 Jahre), Heidrun Linsler und Ester Römmer (20 Jahre ), Helga Frei (15 Jahre), Michaela Osterheld-Lindner (10 Jahre). Worte des Dankes richtete Pfarrerin Angelika Haffner außerdem an Tamara Dittrich, die in den letzten 7 Jahren engagiert an der Spitze des Chores stand und in ihrer Verantwortung bis zuletzt zusammen mit der Gemeindeleitung alles unternahm, um dem Chor noch eine Zukunft zu geben.